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EZB-Auswertung: Euro-Firmen finanzieren KI vor allem aus eigener Kasse

KI · Neuigkeiten · 03. Okt. 2026 · 4 Min. Lesezeit

72 Prozent der Unternehmen mit geplanten KI-Investitionen wollen dafür interne Mittel verwenden. Die neue SAFE-Auswertung der Europäischen Zentralbank zeigt zugleich, warum Software, Weiterbildung und Fachkräfte bei Banken schlechtere Karten haben als Hardware und Rechenzentren.

KI-Pläne treffen auf eine klassische Finanzierungsfrage

Unternehmen im Euroraum wollen in künstliche Intelligenz investieren, verlassen sich dabei aber überwiegend auf den eigenen Cashflow und einbehaltene Gewinne. Das zeigt eine am 2. Oktober 2026 veröffentlichte Auswertung der Europäischen Zentralbank. Grundlage ist die SAFE-Befragung zum Zugang von Unternehmen zu Finanzierung. Rund 5.000 Firmen aus dem Euroraum wurden nach ihren KI-Plänen für die kommenden zwölf Monate gefragt.

Von den Unternehmen mit geplanten KI-Investitionen setzen 72 Prozent auf interne Mittel. Bankkredite, Zuschüsse und Leasing erreichen jeweils 16 Prozent. Eigenkapital und Wagniskapital werden von 6 Prozent genannt, Schuldverschreibungen nur von 1 Prozent. Mehrfachnennungen waren möglich. 18 Prozent der Befragten legten sich auf keine der angebotenen Finanzierungsformen fest.

Das klingt zunächst nach solider Eigenständigkeit. Es kann aber auch bedeuten, dass die Größe eines KI-Projekts stärker vom vorhandenen Gewinn abhängt als von seinem wirtschaftlichen Potenzial. Die Autoren des EZB-Blogs warnen deshalb, eine starke Abhängigkeit von internen Mitteln könne Tempo und Umfang der KI-Einführung begrenzen.

Werkzeuge und Weiterbildung stehen weit oben

Die Befragung zeigt außerdem, wofür Unternehmen ihr Geld ausgeben wollen. 49 Prozent nennen KI-Technologien und Werkzeuge, 46 Prozent die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter. 40 Prozent planen Investitionen in Dateninfrastruktur. Nur 12 Prozent wollen gezielt KI-Spezialisten einstellen. 38 Prozent wählten keine dieser vier Kategorien aus.

Große Unternehmen planen in allen Bereichen häufiger Investitionen als kleinere Firmen. Das Grundmuster bleibt laut Auswertung jedoch über die Größenklassen hinweg ähnlich. Besonders bemerkenswert ist der hohe Stellenwert der Weiterbildung. KI-Einführung besteht demnach nicht nur aus Lizenzen und Servern. Fast ebenso oft geht es darum, vorhandene Mitarbeiter in die Lage zu versetzen, neue Werkzeuge sinnvoll einzusetzen.

Gerade diese Ausgaben sind für klassische Kreditgeber schwer zu greifen. Ein Server kann als Vermögenswert erfasst und unter Umständen als Sicherheit verwendet werden. Schulungen, neu aufgebautes Wissen oder die Arbeit eines Spezialisten schaffen ebenfalls Wert, lassen sich aber nicht wie Hardware verpfänden.

Sicherheiten lenken das Geld zur Hardware

Die statistische Auswertung der EZB stützt diesen Unterschied. Bei Firmen, die in KI-Werkzeuge oder Dateninfrastruktur investieren wollen, steigt die Wahrscheinlichkeit, interne und externe Finanzierung zu kombinieren, jeweils um 16 Prozentpunkte. Bei der Einstellung von KI-Spezialisten beträgt der Zusammenhang 9 Prozentpunkte. Für Weiterbildung fanden die Autoren keinen statistisch signifikanten Effekt.

Daraus folgt nicht, dass Banken Weiterbildung generell ablehnen oder jedes Unternehmen mit einem Hardwareprojekt problemlos einen Kredit erhält. Die Berechnung vergleicht Firmen unter Berücksichtigung von Größe, Branche und Land. Sie zeigt einen Zusammenhang zwischen der Art der Investition und dem geplanten Finanzierungsmix, keinen einfachen Beweis für eine einzelne Ursache.

Trotzdem passt das Ergebnis zu einem bekannten Problem der europäischen Unternehmensfinanzierung. Banken können Kredite leichter absichern, wenn greifbare Vermögenswerte vorhanden sind. Ein großer Teil der KI-Wertschöpfung entsteht jedoch in Software, Daten, Prozessen und Fähigkeiten. Genau dort greifen traditionelle Sicherheiten nur eingeschränkt.

Eine Lücke zwischen Einführung und Skalierung

Laut Reuters wollen mehr als 80 Prozent der befragten Firmen nur eine einzige Finanzierungsform nutzen, meistens interne Mittel. Ein breit gemischter Finanzierungskorb bleibt damit die Ausnahme. Für profitable Unternehmen kann das bequem und schnell sein. Für kleinere Firmen mit knappen Rücklagen wird derselbe Mechanismus zur Bremse, selbst wenn eine Investition langfristig sinnvoll wäre.

Die Zahlen sagen nicht, ob die Unternehmen am Ende tatsächlich investieren oder wie erfolgreich ihre Projekte werden. Sie bilden Absichten für die kommenden zwölf Monate ab. Auch der EZB-Blog kennzeichnet die Analyse als Auffassung der Autoren und nicht als offizielle Position der Europäischen Zentralbank oder des Eurosystems.

Der Befund ist dennoch wichtig für die europäische KI-Debatte. Häufig geht es um Modelle, Chips und Regulierung. Die nüchternere Frage lautet, wer den Umbau in tausenden normalen Unternehmen finanziert. Wenn Wissen und Software kaum als Sicherheit zählen, könnte Europas Engpass weniger an Ideen liegen als an der Art, wie Banken Wert messen.

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